15.05.2017 Hilfe bei schwierigen Entscheidungen

Ethikkomitee der Diakonie Hochfranken

Was tun, wenn ein alter Mensch partout nichts mehr essen will? Angehörige und Pflegepersonal sind hier oft in einem Dilemma. Was ist das Beste für den oder die Betroffenen? Das herauszufinden ist schwer, vor allem, wenn der alte Mensch seinen Willen nicht mehr mit Worten äußern kann. Die Ernährung ist nur ein Beispiel für Situationen, in den sehr schwierige Entscheidungen anstehen können.

In den Pflegeheimen der Diakonie Hochfranken gibt es jetzt Rat: Ein neu gegründetes Ethikkomitee hilft in der Altenpflege dabei, ethische Fragestellungen zu erkennen und zu lösen. Es berät den Träger und die Einrichtungen und sensibilisiert für das Thema. „Das Ethikkomitee leitet aus ganz praktischen Fallbeispielen Handlungsempfehlungen ab und stellt sie den Mitarbeitenden vor Ort zur Verfügung“, erklärt Karin Meiler-Bergmann die Vorgehensweise. 

Die Ethikberaterin und Diplom-Pflegewirtin hat das Ethikkomitee im Auftrag der Geschäftsführung auf den Weg gebracht und leitet es. In diesen Tagen hat es sich zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengefunden. Es besteht aus Fachleuten der Diakonie, Medizinern und anderen kompetenten Persönlichkeiten. Unter anderem gehört ein Richter dazu.

Karin Meiler-Bergmann schildert eine häufige Situation im Pflegeheim: Die Angehörige eines Bewohners sagt: „Es soll alles getan werden, damit ich meinen Mann noch möglichst lange habe.“ Liegt eine Patientenverfügung vor? Wenn ja: Ist klar, was genau der Verfasser meinte, als er „lebensverlängernde Maßnahmen“ für sich ausgeschlossen hat? Künstliche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Beatmung? Palliativmedizinerin Snezana Götzl, ebenfalls Mitglied des neuen Ethikkomitees, gibt zu bedenken, dass zum Beispiel nach einem Schlaganfall die kritische Phase überwunden werden könne und die intensivmedizinische Hilfe manchmal nur vorübergehend nötig sei. Sie sei froh darüber, zukünftig in einen Austausch mit anderen Fachleuten treten zu können. Auch für eine Ärztin gebe es oft schwierige Entscheidungen. 

Richter Carsten Wild, Richter am Amtsgericht Hof, machte beim Start des Ethikkomitees deutlich: „Die Patientenverfügung zählt“. Allerdings solle sie möglichst eindeutig abgefasst werden – sodass der Wille des Patienten unmissverständlich zu erkennen sei. „Wenn 20 Leute das lesen und dasselbe verstehen, ist es richtig.“

Wobei selbst das Wort „richtig“ hier seine Tücken haben kann:  „Wir streben nicht die „richtige“ Lösung an, sondern die, mit der alle gut leben können,“ fasst Marion Mayer, Ethikberaterin und Kursleitung für Palliative Care und Palliative Praxis, zusammen.

Der Geschäftsführer der Diakonie Hochfranken, Martin Abt, betonte, dass es keine schnellen Antworten gebe. Wohl aber helfe das multiprofessionelle Team des Ethikkomitees in Zukunft vielen Beteiligten bei der Entscheidung in schwierigen Fragen: „Eine Ethikberatung kann von allen Mitarbeitenden, Bewohner/innen bzw. deren gesetzlichen Vertretern sowie Angehörigen angefragt werden. Bitte sprechen Sie dazu Ihre Einrichtungs- bzw. Pflegedienstleitung an.“ Abt dankte allen Beteiligten, denen es unter Federführung von Karin Meiler-Bergmann gelungen ist, ein langersehntes Aufgabenfeld jetzt fachlich hervorragend zu besetzen und zu bearbeiten. 

www.diakonie-hochfranken.de/ethikkomitee

Bei übergreifenden ethischen Themen oder speziellen Einzelfragen kann jede Einrichtung der Diakonie Hochfranken bzw. jeder Mitarbeitende das Ethikkomitee anfragen. Die Diakonie hat es ins Leben gerufen, um Beratung und Entscheidungshilfe für schwierige Fragen am Lebensende oder in der Pflege zu gewähren.