26.09.2017 „unterbrochen“ - 20 Jahre Klostergalerie

Klostergalerie, Klostertor 2, Hof

Wie kann Versöhnung – oder treffender noch: Einverständnis – wachsen mit dem, was im Leben geschehen ist? Diese Frage hat Schwester Christamaria Schröter aus der Communität Christusbruderschaft Selbitz immer wieder beschäftigt. Und sie trifft auch den Kern der aktuellen Ausstellung in der Klostergalerie der Diakonie Hochfranken in Hof. Dort sind unter dem Titel „unterbrochen“ Werke der Künstlerin aus drei Jahrzehnten zu sehen. Der Titel wurde passend zur Diakonie gewählt, deren Mitarbeitende täglich für Menschen da sind, deren Leben Brüche aufweist – familiärer, medizinischer, finanzieller oder sozialer Art.

Seit 20 Jahren gibt es in der Geschäftsstelle der Diakonie nun die Klostergalerie. Ins Leben gerufen hat sie der damalige Geschäftsführer Dr. Friedrich Sticht; seit rund acht Jahren wird sie von Eva Döhla betreut. 

„Diese Vernissage ist für uns aus mehreren Gründen eine besondere: Vor 20 Jahren bestritt Sabine Böhm die allererste Ausstellung. Die Galerie war damals gerade einmal halb so groß, es gab anfangs auch nur eine Vernissage im Jahr; inzwischen sind es zwei oder meistens drei Ausstellungen, die wir genießen dürfen“, stellte Geschäftsführer Martin Abt fest. Er freute sich besonders, dass die Künstlerin Sr. Christamaria Schröter bei der Vernissage dabei sein konnte, auf die lange hingearbeitet worden war. Er stellte ihren Werdegang vor und warf einen Blick auf die Wendungen und Unterbrechungen in ihrem Leben. 

„Gott schreibt die Musik unseres Lebens nicht ohne Plan. Es liegt an uns, den Takt zu erkennen und über Pausen nicht bestürzt zu sein“ – zitierte Abt die us-amerikanische Missionarin Elisabeth Elliot. Unterbrechungen und Pausen kennzeichneten ein jedes Leben, sagte Abt. 

Die Werke – von großformatigen Ölgemälden über kleine Aquarellzyklen bis hin zu Federzeichnungen – scheinen wie für das ehemalige Klostergemäuer gemacht. 

„Es sind Bilder, in die man sich hineinvertiefen kann, die Energie verströmen, die einen mit oft kräftigen Farben an-, ja fast hineinziehen. Der Betrachter spürt Nähe, Emotionen, Überraschungen, Beziehung zu Gott“, erklärte Abt. 

Lange habe man auf diese Werke gewartet und freue sich nun umso mehr, sie zum Jubiläumsjahr in der Klostergalerie zeigen zu dürfen. Hierfür dankte er als Organisatorinnen Sr. Alice Sommer von der Communität Christusbruderschaft Selbitz und seiner verantwortlichen Mitarbeiterin Eva Döhla ausdrücklich. 

Umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung von Lea Hähnel am Cello und Mareike Schönborn, die einen Text der Künstlerin rezitierte.

Sr. Alice Sommer sprach für die Communität: „Uns ist es wichtig, dass Menschen mit der frohen Botschaft konfrontiert werden. Daher zeigen wir die Werke gerne. Sr. Christmaria hat die Fähigkeit, anderen zu vermitteln, dass auch ein Leben in der Unterbrechung wertvoll ist“. Ein Jahr verbrachte die Künstlerin vor über 30 Jahren nach einem Unfall in Kliniken. Im Krankenbett entstanden Aquarelle, die auch in der Klostergalerie ausgestellt sind. Und auch ein Engel ist unter den Werken: Er weist auf den Engel hin, der sie bei jedem Unglück vor dem Tod bewahrt hat. Sr. Christamaria nutzt die Malerei als eine zusätzliche Sprache, um Dinge auszudrücken, die schwer in Worte zu fassen sind. Es sind sowohl hoffnungsvolle als auch traumatische Momente. Als Wegweiser ins Innere Empfinden fungieren da manche Bildtitel. „Tränen, die sich auftun und verwandeln“ etwa „Es bleibt noch Zeit zu kämpfen für die Entrechteten“ oder „Ich öffne Dir ein Fenster zum Zeichen, dass ich glaube“ sind mehr als nur Hinweise, sind vielmehr Schlüssel.

Die studierte Architekturmalerin arbeitet nicht nur mit Öl und Kreide, sie gestaltet auch Glasfenster und nutzt textile Materialien. Und sie setzt sich mit der Beziehung von Gott und Mensch auseinander. So ist „Unterbrochen“ auch Titel eines Buches, in dem ihr Unfall und seine Folgen tagebuchartig skizziert sind. Die Ausstellung in der Klostergalerie regt an, diesen und anderen Brüchen und Pausen auf die Spur zu kommen. In den Worten von Sr. Christamaria bildet sie einen „Zusammenklang von Innen und Außen, von Geschautem und Erlebtem“. 

Die Ausstellung „unterbrochen“ ist bis zum 8. Januar während der Geschäftszeiten der Diakonie Hochfranken in der Klostergalerie am Klostertor 2 zu sehen.