24.01.2018 Die Erfahrung macht den Unterschied

Genesungsbegleiter beim Sozialpsychiatrischer Dienst

„Ich bin Problem-Manager. Und diese Arbeit ist meine Leidenschaft“. Das sagt ein Mitarbeiter der Diakonie Hochfranken über sich, der nach einer längeren Erkrankung ein Angebot mitaufgebaut hat, das von seinen Erfahrungen mit der Krankheit profitiert. Und noch dazu ist das Angebot einmalig in Oberfranken. Daniel Gützlaff ist Ex-In Genesungsbegleiter beim Sozialpsychiatrischen Dienst (SpDi) der Diakonie. Als zertifizierte Fachkraft berät und unterstützt er Menschen mit psychischen Erkrankungen. Dabei kommt ihm neben seiner Qualifikation auch seine persönliche Erfahrung zu Gute. Denn er weiß selbst, wie es ist, wenn man keinem Gesunden richtig erklären kann, was in einem vorgeht, wie es ist, wenn man seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann, sich nicht ernst genommen fühlt oder psychiatrische Behandlung braucht.

Auf Grund seiner eigenen Kranken- und Genesungsgeschichte kann Daniel Gützlaff eine sinnvolle Unterstützung und Hilfe für andere Betroffene bieten.

Das Projekt Ex-In gibt es seit 2006 in Deutschland und inzwischen in allen Bundesländern. Vor wenigen Jahren wurde auch der Sozialpsychiatrische Dienst in Hof darauf aufmerksam und hat einen Betroffenen finden können, der an der einjährigen Fortbildung zum Ex-In Genesungsbegleiter teilnahm. „Dabei kam mir zu Gute, dass ich vor der Erkrankung bereits über zehn Jahre als Sozialarbeiter tätig war“, erklärt Gützlaff. 

Dies erwies sich Vorteil, weil er Hintergrundwissen beispielsweise über Gesprächsführung oder den Umgang mit psychisch kranken Menschen mitbringt. Momentan arbeitet Daniel Gützlaff sieben Stunden pro Woche als Genesungsbegleiter im Sozialpsychiatrischen Dienst. Rund 40 Menschen hat er im vergangenen Jahr beigestanden. Dreh- und Angelpunkt ist die feste Sprechstunde am Mittwochvormittag. Jeder, der selbst oder im Familienkreis von einer psychischen Krankheit betroffen ist, kann sich an ihn wenden. Seine Tätigkeiten reichen weit: Gespräche mit neuen Klienten, Dienst in der Begegnungsstätte, Leitung einer Selbsthilfegruppe, Psychoedukationskurse, Teilnahme an Supervisionen.

„In der Arbeit zeigt sich, dass Herr Gützlaff auch als Bindeglied zwischen Klienten und Profis fungiert“, erklärt Martin Schuster, der Leiter des SpDi. „Er ist wirklich eine Bereicherung, da er absolut auf Augenhöhe mit den Klienten arbeiten kann, was sich positiv auf die Beziehungsebene auswirkt“, so Schuster. Die neue Möglichkeit aus dem Ex-In Projekt ist in Hof also auf fruchtbaren Boden gefallen. Das Team schätzt die Zusammenarbeit und hofft, dass auch andere sozialpsychiatrische Dienste in Oberfranken diesen Weg beschreiten.

Kontakt:
Daniel Gützlaff, Genesungsbegleiter SpDi Luitpoldstr. 18, 95028 Hof 
Sprechstunde mittwochs von 10 bis 12 Uhr und nach Absprache, Telefon 09281  819163.

Was bedeutet „Ex-In“?
Es steht für „Experienced Involvement“, also die Einbeziehung von Erfahrenen. Startschuss für die Ex-In Bewegung war ein Forschungsprojekt, in dem Wissenschaftler, Fachkräfte und Psychiatrieerfahrene Fragen alternativer Psychiatrie untersucht haben. Dabei sollten die Erkenntnisse von Psychiatrieerfahrenen in den Mittelpunkt gestellt werden. Als Ergebnis wurde ein Weiterbildungslehrgang für Menschen mit Psychiatrieerfahrung entwickelt. Ziel ist es, das Psychiatrie-System gesellschaftlich zu verändern, eine Psychiatrie auf Augenhöhe voranzubringen. 

Ex-In geht von folgenden Grundsätzen aus: Jeder Mensch hat das Potential zur Genesung. Jeder Mensch kann grundsätzlich eigenverantwortlich handeln und autonome Entscheidungen über entsprechende Hilfeformen treffen.

Als Genesungsbegleiter ist Daniel Gützlaff ein guter Ansprechpartner für Menschen mit psychischen Krankheiten und ihre Angehörigen.