09.04.2018 „Wie lange ist Mama noch tot?“

Vorträge und Workshops zu kindlicher Trauer

Der Verlust eines nahestehenden Menschen ist immer eine schmerzvolle Erfahrung. Kinder bringen ihre Trauer ganz anders zum Ausdruck als Erwachsene. Deshalb ist für sie oft wenig Raum, sie wird oft nicht genügend wahrgenommen. Wer verstehen will, wie es Kindern und Jugendlichen in dieser Situation geht und wie man sie unterstützen kann, erhält demnächst einen Einblick in deren Trauerwelt. Dass der Tod unabänderlich ist, können Kinder zum Beispiel erst mit sechs bis acht Jahren realisieren. Ihre Trauer bricht in Schüben aus, sie kommt und geht von einem Moment zum nächsten.

Unter dem Titel „Trauer hat viele Gesichter - Wie trauern Kinder und Jugendliche?“ laden die Diakonie Hochfranken und der Hospizverein Hof zu zwei Vorträgen nach Hof und Helmbrechts ein. Sie richten sich an Eltern und Fachleute, die die Sichtweise und das Gefühlsleben der Kinder besser nachvollziehen wollen. 

Hülya Engelhardt von der Psychologischen Beratungsstelle Hof hat das Angebot gemeinsam mit Ines Backmann vom Hospizverein auf die Beine gestellt. Beide haben sie die Erfahrung gemacht, dass der Austausch über dieses Thema zu kurz kommt und dass es auch für betroffene Kinder keine Gruppenangebote gibt in unserer Region. Deshalb laden sie im Juni zu einem Workshop ein, in dem die Trauer von Kinder und Jugendlichen ihren eigenen Platz findet. Sie lernen dort andere Betroffene kennen, können sich austauschen und lernen stimmige Familienrituale kennen. 

Im Idealfall entsteht im Anschluss an die Vorträge und den Workshop auch eine regelmäßige Trauergruppe speziell für Kinder und Jugendliche. „Die nächsten derartigen Gruppen sind in Plauen und Bamberg. Ich hätte mir gewünscht, dass es so etwas auch bei uns gibt“, erzählt Hülya Engelhardt. Die Sozialpädagogin – selbst zweifache Mutter – hat ihren Mann verloren. Hier ein neues Angebot auf die Beine zu stellen, ist ihr sowohl fachlich als auch persönlich eine Herzensangelegenheit. In der Beratungsstelle muss sie bei entsprechenden Anfragen bisher passen. Die gleiche Lücke hat auch ihre Mitstreiterin Ines Backmann diagnostiziert. „Ich habe sechs Jahre auf der Palliativstation gearbeitet und mit Erschrecken festgestellt, dass Kinder und Jugendliche mit ihrer Trauer oft völlig rausfallen. Es gibt zwar Einzelberatung oder Begleitung für Familien, aber keine passenden Gruppenangebote. Daraufhin hat sie die Trauergruppen in Bamberg besucht und erfahren, wie vorbildlich hier gearbeitet wird. Nun schwebt den beiden Initiatorinnen etwas Ähnliches für Hof und Umgebung vor. „Wir wollen einen Raum bieten, in dem Platz ist für gemeinsame kindgerechte Trauer und Erfahrungsaustausch unter Gleichaltrigen. Die Kinder können über die Beerdigung reden, darüber ob sie gern auf den Friedhof gehen oder – das ist vor allem bei Jugendlichen ganz wichtig – welches Verhalten man von ihnen erwartet“, erklärt Hülya Engelhardt. Ab wann dürfe man wieder auf Partys? Ist Lachen erlaubt? Oder Wut über das Verlassensein normal?

„Weder der Workshop noch die geplante Trauergruppe stellen eine Therapie dar“, erklärt Ines Backmann. Das brauche zum Glück auch nur eine Minderheit. Doch mehr Platz für die eigenen Gefühle und Ideen für heilsame Rituale, das entwickle sich gut in einer kindgerechten Runde. Je nach Nachfrage soll diese auch in zwei Altersgruppen aufgeteilt werden.

„Wenn Kinder erfahren, dass sie nicht alleine sind mit ihren Gefühlen, kann die Trauer den richtigen Platz in ihrem Leben finden. Dabei wollen wir den Familien helfen“, sagen die beiden Wegbereiterinnen.

Die Vorträge:
Trauer hat viele Gesichter – Wie trauern Kinder und Jugendliche? 
Mittwoch, 25. April, 18 bis 19.30 Uhr im Helmbrechtser Kreisel
Anmeldung unter Tel  09252  916219

Mittwoch, 16. Mai, 18 bis 19.30 Uhr in der Münch-Ferber-Villa Hof
Anmeldung im Treffpunkt Familie Tel 09281  160710200

Der Workshop:
Für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren
Samstag, 9. Juni 10 bis 14 Uhr 
Treffpunkt Familie in Hof, Schellenbergweg 20 
Anmeldung Tel. 09281 160710200 

Tipps für die Familie:

  • Kinder brauchen Aufrichtigkeit und Vorbild beim Umgang mit Tod und Trauer. 
  • Schenken Sie Ihrem Kind Nähe.  
  • Zeigen Sie Gefühle. Weinen ist erlaubt, auch bei den Großen. So lernen Kinder, dass Emotionen ihre Berechtigung haben.
  • Gefühlsäußerungen helfen dem Kind, seine eigenen Gefühle zu verstehen.  
  • Geben Sie ehrliche Antworten. Belastende Einzelheiten können Sie weglassen. Lügen Sie aber nicht. Kinder dürfen erfahren, was passiert ist.
  • Sprechen Sie klare Worte. „Der Opa ist friedlich eingeschlafen“ oder „von uns gegangen“ kann völlig falsche Vorstellungen und Ängste erzeugen, weil die Kinder das wörtlich nehmen.
  • Kinder können an Beerdigungen teilnehmen. Vorher sollte unbedingt der Ablauf mit ihnen durchgesprochen werden. So können sie sich darauf einstellen, was geschieht. 
  • Alle Gefühle sind erlaubt, auch die Wut. Sie ist oft Ausdruck von Ohnmacht und Hilflosigkeit. 
  • Alltagsstruktur weiterleben ist sehr wichtig - gerade den Jüngeren gibt das Sicherheit und Halt.