26.06.2018 Wo man nichts erklären muss

20 Jahre Begegnungsstätte

Die Anfänge waren klein - ein offener Treff, Spiele, Gespräche und Kaffee. Inzwischen besuchen jedes Jahr rund 130 Menschen die Begegnungsstätte des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Sie haben chronische seelische oder psychische Erkrankungen und sind dadurch aus ihrem gewohnten Leben gefallen. Wer nicht mehr auf Freunde, Familie und Arbeitsplatz setzen kann, braucht andere, neue Anknüpfungspunkte gegen die Einsamkeit.

Seit 20 Jahren bietet die Begegnungsstätte genau das: einen leicht zugänglichen Treffpunkt mit freundlichen Menschen und ansprechendem Programm. Wie abwechslungsreich das ist, verrät ein immerhin 12-seitiger Jahresrückblick. Ob Kunstausstellung oder Wandern, Schlossbesichtigung, Tretbootfahren oder Themenabend „Entrümpeln“, Kinobesuche oder Skulpturenbau, es war für wirklich jedes Interesse etwas dabei. Neben diesen Höhepunkten bilden aber die regelmäßigen Angebote das Rückgrat der Begegnungsstätte. „Geöffnet ist verlässlich von Montag bis Freitag. Man muss sich nicht anmelden oder irgendetwas erklären. Jeder hier weiß, wie es ist, wenn es einem nicht so gut geht“, sagt Martin Schuster, der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes der Diakonie Hochfranken. Viele Besucherinnen und Bescher kommen regelmäßig, sie knüpfen Freundschaften, unterstützen und akzeptieren sich. „Gerade Menschen mit psychischen Problemen neigen ja zum Rückzug. Hier findet genau das Gegenteil von sozialer Isolation statt, nämlich Begegnung, aus der sich positive Beziehungen entwickeln“, sagt Schuster.

„Ohne die Begegnungsstätte könnte ich es mir gar nicht mehr vorstellen. Kochen und essen zum Beispiel ist gemeinsam einfach schöner“, erklärt Marianne Vogler, die schon seit etwa elf Jahren gerne kommt. Jede Woche folgt einem festen Rhythmus und setzt sich aus den Bausteinen Offener Treff, Kochgruppe, Kreativauszeit, Feierabendtreff, Brunchgruppe und Zuverdienstgruppe zusammen. Mittlerweile hat die Begegnungsstätte einen Ableger im Landkreis. Mehr als 30 Menschen nutzen in Helmbrechts jedes Jahr das regelmäßige Angebot direkt vor Ort.

Die Begegnungsstätte verfügt über zwei große Räume im Erdgeschoss der Luitpoldstraße 18. Das Herz dieser Anlaufstelle besteht aus einem geräumigen Treffpunkt mit Küchenzeile, Tischen und Stühlen. Der Raum nebenan bietet Platz für Kurse und Kreatives. Betreut wird das umfangreiche Programm von drei Mitarbeiterinnen in Teilzeit, die über den Bezirk Oberfranken finanziert werden.

An den Sozialpsychiatrischen Dienst ist die Begegnungsstätte ganz eng angebunden. Martin Schuster bewertet die räumliche Nähe von Beratung und Begegnung als sehr vorteilhaft; so kommen Leben und Alltagswirklichkeit in die professionelle Arbeit – und umgekehrt, ist der Weg nicht weit, wenn jemand Hilfe braucht.

Ihr Jubiläum feiert die Begegnungsstätte am 6. Juli im Rahmen eines Sommerfestes im Innenhof der Luitpoldstraße 18. Es beginnt um 14 Uhr und auf die Gäste warten neben der Band „Kickstarter“, einem Quiz und diversen Leckereien auch die neuen „Jubiläumstaschen“ mit kleinen Überraschungen.