22.11.2019 Versöhnung mit dem Alltag - Selbsthilfekongress

Beim 12. Bayerischen Selbsthilfekongress in Hof trafen sich 280 Teilnehmende aus ganz Bayern und Gäste aus den angrenzenden Bundesländern, um sich unter dem Motto „Tragende Netze erleben – Selbsthilfekompetenz im Gesundheitswesen“ auszutauschen und zu vernetzen.

Die sehr persönlichen und wertschätzenden Grußworte von Schirmherrin Kerstin Schreyer bestätigten die anwesenden Betroffenen und Angehörigen in ihrem Tun und machten Mut, dranzubleiben und sich weiterhin zu engagieren. „Der Bauch ist manchmal auch ein guter Kopf, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen“, verriet die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales.

Prof. Dr. Armin Nassehi vom Lehrstuhl für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München überzeugte durch seine Wortgewandtheit, seinen Witz und seine deutlichen Aussagen. Seiner Einschätzung nach brauchen wir „Übersetzung von spezialisiertem Wissen in die Sprache der Betroffenen“ und eine „Versöhnung mit dem Alltag“. Dies erfordere andere Zeitstrukturen, insbesondere bei chronisch Kranken. Während die Krankenrolle gewöhnlich endlich, sprich zeitlich begrenzt ist, müssen sich chronisch Kranke darauf einstellen, oft viele Jahre mit ihrer Erkrankung zu verbringen – dies erfordert ein Umdenken bei allen Beteiligten.

Kommunikative Fähigkeiten von Gesundheitsprofis und Betroffenen sind also gefragt, die Gesundheitskompetenz kann hier nur der erste Schritt sein. Am Nachmittag standen sechs Foren und Workshops auf dem Programm. „Sei gut zu Dir - Achtsamkeit und Selbstmitgefühl im Alltag“ war neben „Patientenkompetenz und was kann gemeinschaftliche Selbsthilfe leisten?“ das begehrteste Thema.

Aber auch mit „In Bewegung“, „Netzwerken – wie geht das?“ und einem hochkarätig besetzten Forum „Tinnitus - Selbsthilfe verschafft sich Gehör“ konnten sich die Kongressbesucher*innen auseinandersetzen.
Hof war erstmalig Veranstaltungsort des Selbsthilfekongresses, der aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie Hochfranken in der Freiheitshalle stattfand. Gefördert wurde die Veranstaltung von der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern, der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der Bayerischen Landesapothekerkammer, dem Bayerischen Apothekerverband e.V. und erstmalig auch der Bayerischen Psychotherapeutenkammer. Inhaltlich und organisatorisch verantwortlich waren die Selbsthilfekoordination Bayern, der Verein Selbsthilfekontaktstellen Bayern e.V. und die Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie Hochfranken.