02.04.2020 Alkohol: Bitte Vorsicht!

Gerade jetzt gut auf sich selbst aufpassen

Katastrophenfall, das medizinische System im Krisenmodus, Allgemeinverfügung mit Kontaktverbot, Firmenschließungen: Ein ganzes Land steht unter Stress. Auf den Einzelnen kann dies unterschiedliche Wirkung haben. Die Spanne reicht von einem mulmigen Gefühl bis hin zu Angst vor gesundheitlichen oder finanziellen Folgen und der Sorge um Angehörige.

Für viele Menschen und Familien sind durch die notwendigen Schutzmaßnahmen Tagesroutinen verändert. Neuorientierung stellt immer eine Herausforderung dar und kann zu Verunsicherung führen. Keiner weiß genau, wann die Krise überwunden ist und welche Langzeitfolgen daraus entstehen

„Vor dem Hintergrund dieser Belastungen, besteht die Gefahr, dass mancher vermehrt zu einem „Beruhigungsmittel“ greift, nämlich Bier oder Wein“, befürchtet Alexander Höme von der Diakonie Hochfranken. Alkohol verbessert kurzfristig die Stimmung, löst aber keine Probleme. Das Leben stellt aktuell viele Hürden vor jeden Einzelnen. „Gerade in solchen Situationen brauchen wir einen klaren Kopf“, meint Höme. Damit Bier oder Wein ein Genussmittel bleibt, empfiehlt die WHO für einen Mann eine Obergrenze von 24 g Alkohol pro Tag. Das entspricht etwa einer Flasche Bier oder einem 0,25 l Glas Wein. Für Frauen gilt die Hälfte, also 12 g.

Um auf der sicheren Seite zu sein, sollte man neben Beachtung dieser Obergrenze nach jedem Trinkereignis 3 alkoholfreie Tage einlegen. Alkoholkonsum über diesen Grenzwerten schwächt das Immunsystem und belastet den ganzen Körper. „Wichtig ist zu wissen, dass es viele gesunde Möglichkeiten der Stimmungsregulation gibt“, sagt der Leiter der Psychologischen Beratungsstelle. Dazu zählen erstens soziale Kontakte, außerhalb der häuslichen Gemeinschaft können sie aktuell über Telefon oder soziale Medien wahrgenommen werden. Zweitens gehört dazu alles, was wir aktiv tun können: schulische oder berufliche Aufgaben, aber auch Hobbys, Tätigkeiten im Haushalt oder Garten, Lesen, vielleicht auch einmal Ordnung schaffen. Bewegung ist die wirksamste Stimmungsregulation, daher sind Spaziergänge und Sport an der frischen Luft ausdrücklich erlaubt. Um das Anspannungsniveau zu senken empfehlen sich Entspannungs- und Atemübungen oder Meditation. Und drittens geht es darum die individuellen Hürden, die das Leben vor den Einzelnen oder die Gemeinschaft stellt, Schritt für Schritt aktiv anzugehen. Erst wenn sich abzeichnet, dass eine Hürde überwunden wird, verbessert sich die Stimmung.  

Wer mit Experten am Telefon über gesunde Problembewältigung sprechen möchte, kann sich an das Team der Suchtberatung in der Psychologischen Beratungsstelle der Diakonie Hochfranken wenden, Tel. 09281 / 160 710 200.