10.09.2020 Fortbildungstage zum Thema "Selbstfürsorge" und "Interkulturelle Elternberatung"

Bereits Ende Juli fanden zwei Fortbildungstage mit der Dipl. Psych., Psychologischen Psychotherapeutin und Ergotherapeutin Barbara Abdallah-Steinkopff statt. Die Referentin ist seit mehr als 25 Jahren bei Refugio München tätig. Als Beratungs- und Behandlungszentrum hat es sich Refugio zur Aufgabe gemacht, gefolterte, traumatisierte und psychisch erkrankte Geflüchtete mit einer individuellen psychosozialen Beratung, einer medizinischen und psychologischen Diagnostik und einer Therapie zu unterstützen. Ihre kultursensible Grundhaltung ist durch eine lebensweltorientierte und ressourcenstärkende Arbeitsweise gekennzeichnet.

Menschen, die Zugewanderte und Geflüchtete in belastenden Lebensbedingungen begleiten, werden häufig mit Erfahrungen von Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Hilflosigkeit konfrontiert. Es ist daher wichtig, den Arbeitsalltag so zu gestalten, dass vorhandene Kraftreserven erhalten bleiben und zusätzlich neue Energien getankt werden können. Daher war der Schwerpunkt des 1. Seminartages die Sensibilisierung für Anzeichen einer sekundären Traumatisierung und für Burn-Out beim Einzelnen und im Team. Zum anderen wurden hilfreiche und praktizierbare Maßnahmen zur Selbstfürsorge vorgestellt, gemeinsam erarbeitet und ausprobiert.

Frau Abdallah-Steinkopff referierte zum Thema Interkulturelle Elternberatung. Mitarbeiter*innen, die mit zugewanderten und geflüchteten Menschen arbeiten, haben oft das Gefühl, die Eltern einfach nicht zu verstehen. Sie haben dann den Eindruck, dass die Welten so verschieden sind und die Wertesysteme so weit auseinanderliegen, dass Beratung und Therapie einfach nicht das passende Instrumentarium sind.

Ein wichtiger Grundgedanke in der kultursensiblen Beratung ist, dass es nicht einen einzigen Blick auf die Wirklichkeit gibt, sondern viele verschiedene Möglichkeiten, die Welt zu sehen und sich zu erklären. Dennoch fällt es oft nicht leicht, den anderen Blickwinkel zu erkennen und ihn dann für die eigene Beratung zu nutzen. In der Elternberatung von zugewanderten und geflüchteten Familien treffen oft Menschen mit unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen aufeinander. Missverständnisse und Beratungsabbrüche sind dann häufig die Folge.

Im Seminar vermittelte die Referentin den Teilnehmenden, dass die genaue Kenntnis jeder Kultur nicht notwendig ist, um geflüchtete Familien gut zu beraten. Zutiefst ähneln sich die Bedürfnisse der Menschen. Lediglich die Wege dahin unterscheiden sich. Die kultursensible Grundhaltung ermöglicht ein Erkennen und Verstehen des Blickwinkels der Ratsuchenden.

Dipl. Psych., Psychologische Psychotherapeutin und Ergotherapeutin Barbara Abdallah-Steinkopff